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DER GUTEN ALTEN ZEIT
Das Areal der Gasometer blickt auf eine abwechslungsreiche Vergangenheit zurück. Vor 200 Jahren dominierten Gemüsegärten, dann wurde ein Schießplatz der Wiener Artilleriedirektion errichtet. Der Schießplatz wich einer Pferderennbahn. Ein Zeppelin- und Ballonstartplatz folgten auf die Rennbahn. Durch die Beleuchtung der Wiener Ringstraße verstärkte sich die Nachfrage nach Gas derart, dass der Bau des damals größten europäischen Gaswerks beschlossen wurde. 1883 entschied die Gemeinde den Ankauf des Bürgerspitalgrundes. Im Dezember 1896 erfolgte der Spatenstich, am 31. Oktober 1899 wurden die Riesenzylinder eingeweiht.
Das städtische Gaswerk Simmering wurde von 1896-1898 auf einem riesigen Areal am rechten Donaukanalufer erbaut. Das Gaswerk mit einer Tageskapazität von 432.000 m³ sollte die Gasversorgung Wiens sicherstellen.
8. Juli 1818 Der Direktor des Polytechnischen Institutes (Johann Joseph Prechtl) beleuchtet mit einer in der Nähe des Kärntnertors errichteten Gaserzeugungsanlage die ersten 25 Gas-Straßenleuchten in der Krugerstraße, der Walfischgasse und einem Teil der Kärntner Straße. Nach mehreren Betriebsstörungen muss diese Anlage aber wenige Monate später wieder abgestellt werden.

1826 Neuerlicher Versuch einer Straßenbeleuchtung mittels Leuchtgas in der Teinfaltstraße, Löwelstraße und auf der Josefstädter Brücke mit 15 Lampen.

1828 Der Apotheker und Chemiker Georg Pfendler errichtet in der Roßau eine »Apothekerhalle« mit anschließendem »Gaserzeugungs-Etablissement«.

1834 Die »Österreichische Gesellschaft zur Beleuchtung mit Gas« (unter Pfendlers Leitung) verlegt die erste Teilstrecke eines geplanten 1.200 Meter langen Rohrnetzes vom Gaswerk Roßau über das Glacis zum Schottentor und weiter in der Schottengasse und Herrengasse.

1838 Ein Gaskandelaber mit sechs Flammen wird auf dem Michaelerplatz errichtet. 1839 folgen zwei weitere auf dem »Mehlmarkt« (Neuer Markt). In den nächsten Jahren erhalten weitere verkehrsreiche Plätze der Stadt Gaslicht.

10. Mai 1845 Abschluss eines mehrjährigen Beleuchtungsvertrages zwischen der Gemeinde Wien und der englischen »Imperial Continental Gas Association« (I.C.G.A.) zur Errichtung und zum Betrieb der öffentlichen Gasbeleuchtung. Der Vertrag wird 1852 und 1875 verlängert. Anfänglich beleuchtet man nur die Innere Stadt und die Hauptstraßen der Vorstädte mit Gas. In der Folge sorgt die englische Gesellschaft für die Beleuchtung der ganzen Stadt und eines Teils der Vororte. Die finanzielle und versorgungstechnische Überlegenheit der I.C.G.A. führt zu ihrer fast unumschränkten Monopolstellung bei der Gasversorgung Wiens.

1850 Stand der öffentlichen Gasbeleuchtung: In der Inneren Stadt 564 ganznächtige und 494 halbnächtige Gasflammen, in den Vorstädten 84 ganznächtige und 198 halbnächtige Gasflammen. Es sind Gaslaternen mit Schmetterlingsbrennern, flackernd und sehr störanfällig.

1856 Vorhandene Öllampen werden durch Petroleumlampen ersetzt.

1893 Erstmaliger Einsatz des Gasglühlichtes von Auer von Welsbach bei der öffentlichen Beleuchtung (Herrengasse und Zufahrtsstraße zum Neuen Rathaus).

1896 Beschluss des Wiener Gemeinderates, den 1899 auslaufenden Vertrag mit der I.C.G.A. nicht mehr zu erneuern und mit dem Bau eines städtischen Gaswerkes sowie eines dazugehörigen Rohrnetzes die Gasproduktion und -versorgung zu kommunalisieren.

31. Oktober 1899 Feierliche Einweihung und Inbetriebnahme des städtischen Gaswerkes Simmering. Unter dem Jubel der Bevölkerung brennen die ersten städtischen Gaslaternen auf der Ringstraße. Das Leuchtgas erreicht eine derartige Qualität, dass bei den Kandelabern an Stelle der alten Schnittbrenner Auer-Glühlichtbrenner montiert werden können. Beliefert werden vorerst nur die Bezirke 1 bis 11 und 20. Die Versorgung der Vororte mit Gas ist durch die I.C.G.A. bis Ende 1911 festgelegt.

1. Jänner 1912 Anschluss des gesamten Wiener Stadtgebietes (mit Ausnahme eines kleinen Teiles der ehemaligen Ortsgemeinden Altmannsdorf, Hetzendorf, Inzersdorf und Mauer) an die städtische Versorgung. Der Gesamtbestand der öffentlichen Beleuchtung beträgt über 37.000 Laternen, die Anzahl der Laternenwärter ist auf 679 Mann angewachsen. Noch im selben Jahr kommen die ersten Zünd- und Löschuhren zum Einsatz, die die Laternenanzünder nach und nach ablösen.
Informationen über die Geschichte stammen teilweise von Andreas Pöschek.
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Im Jahr 1914 gab es die größte Anzahl von öffentlichen Gaslaternen, mehr als 44.000. 1937 wurden nur mehr knapp 16.000 gezählt, 1959 noch 3.564.

Am 27. 11. 1962 wurde in Hietzing die letzte Gaslaterne gelöscht. Auf dem Beleuchtungssektor hatte die Elektrizität das Gas zur Gänze abgelöst.
Erste öffentliche Beleuchtung in Wien mit Talglichtern
Aufgrund einer kaiserlichen Resolution von Leopold I. vom 24. Februar 1687 ordnet der Statthalter der niederösterreichischen Lande Reichsgraf Johann Quintin von Jörger an, dass die Straßen und Plätze der Residenzstadt Wien fortan in der Nacht zu »illuminieren« seien. Am 7. November 1687 wird die Probebeleuchtung mit 17 Laternen, die mit Talglichtern ausgestattet sind, in Betrieb genommen (1., Dorotheergasse).
In der Nacht zum 31. Oktober 1899, mit dem Glockenschlag 12 Uhr, strömte zum ersten Mal das stadteigene Gas aus dem Simmeringer Werk in die neuen Rohrleitungen. In der Presse wurde die Herstellung eines 700 Kilometer langen Straßenrohrnetzes, die vollständige Neueinrichtung der öffentlichen Straßenbeleuchtung in der knappen Zeit von drei Jahren wie auch die klaglose Inbetriebsetzung der neugeschaffenen Anlagen als einmalige organisatorische und technische Meisterleistung des städtischen Bauamtes gewürdigt, an dessen Spitze Oberbaurat Ing. Franz Kapaun stand. Im ersten Betriebsjahr (1900) betrug die Gasabgabe 78 Millionen Kubikmeter.
Die vier gemauerten Behältergebäude stehen in einer Reihe in Achsabständen von 69,80 m, 100,00 m und 69,80 m; sie sind zylindrische Baukörper mit einem Außendurchmesser von 64,90 m; die Gesimsoberkante liegt 39,42 m über Terrain. Die kuppelförmigen Dächer bilden im Querschnitt ein Kreissegment, dessen Radius 43,50 m und dessen Pfeilhöhe 13,33 m beträgt. Die Spitze der aufgesetzten Laternen liegt 67,38 m über dem erhöhten Terrain. Die Fassaden sind von der Sichtziegelbauweise geprägt; Die lisenenartigen Außenpfeiler entsprechen hierbei den eisernen Führungsständern für die Behälterglocken im Inneren.
Die Fliegerangriffe des Zweiten Weltkrieges beeinträchtigten auch die Gaserzeugung und -abgabe stark, es kam immer öfter zu Störungen. Anfang April 1945 kam die Gasversorgung Wiens schließlich völlig zum Stillstand. 248 Mitarbeiter harrten jedoch von 6. bis 10. April ohne Unterbrechung im Werk Simmering aus, um es vor der Vernichtung durch die zurückweichende deutsche Wehrmacht zu bewahren.
Bereits am 20. Mai erfolgten wieder die ersten Gasabgaben an die Konsumenten in Simmering. Bis Ende des Jahres 1945 konnten fast alle Bezirke mit Gas beliefert werden. Im April 1946 war der Wiederaufbau des Rohrnetzes praktisch beendet. Trotzdem war der Gaserzeugung durch die Kohleknappheit lange Zeit Grenzen gesetzt. Gas stand nicht zu jeder beliebigen Tages- und Nachtzeit, sondern bis 1948 nur zu ganz bestimmten Stunden zur Verfügung.